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Faisal, Seefahrer aus dem Kalifat Riad und Priester des Toth, über: d i e e l b e n |
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ERBEN EINER VERGESSENEN ZEIT Toth möge mein Zeuge sein. Kaum ein Volk dieser schönen und mannigfaltigen Welt wird von uns Menschen so sehr missverstanden wie die Elben. Wir fühlen uns zu ihnen hingezogen, bezaubert von ihrer Anmut und ihrer Weisheit. Doch gleichzeitig fürchten wir ihre Macht und verachten ihren Hochmut. Wir hassen sie dafür, dass sie so reichlich beschenkt wurden von den Mächten des Schicksals. Aber bei all den Gefühlen, die dieses alte Volk bei uns weckt, so sind wir doch selten in der Lage, die Elben mit unserem Geist zu erfassen. Wer versteht schon Elben? Sie entziehen sich unseren Begriffen, sind so anders als wir und uns gleichzeitig so ähnlich. Nicht viele Menschen haben schon einmal einen Elben gesehen und die allerwenigsten wissen, wie sehr sich auch die einzelnen Volksstämme dieser edlen Rasse unterscheiden. Dabei sollten sie uns wohlbekannt sein, allein durch die Dinge, die sie uns gaben. Den wahren Glauben an die Götter etwa, oder auch profane Dinge, nach denen wir unser Leben richten, wie den Kalender.
Aussehen Selten werden Elben größer als 5 Fuß oder wiegen mehr als 100 Pfund. Männer und Frauen des Schönen Volkes sind gleichermaßen anmutig und von zierlicher Gestalt, und es fällt unsereinem schwer, Männlein von Weiblein zu unterscheiden. In der Tat gleich die Elben am meisten den schlanken Maiden unseres Volkes. Ihre Haut ist perlmutten weiß bei den Stämmen des Nordens, während sie bei den Stämmen des Südens von bronzener Farbe ist. Das Haar, das sie lang tragen, ist glatt und von silbrig-weißer Farbe. Ihre spitzen Ohren sind schuld daran, dass viele Menschen sie mit den bösartigen Kobolden in Verbindung bringen und ihnen deshalb misstrauen.
Natürliche Fähigkeiten Die Elben haben viele Fähigkeiten, wie wir Menschen sie nur von den Tieren der Wildnis kennen. Dazu gehören die scharfen Augen der Elben, die auch in der Nacht nur wenig beeinträchtigt werden. In Anbetracht ihres zarten Körperbaus haben sie eine erstaunliche Ausdauer, die sie lange Märsche überwinden lässt, und sie benötigen weniger Schlaf als wir Menschen. Ihre feinen Glieder sind sehr geschickt, und die Elben bewegen sich voller Anmut, doch haben ihre Muskeln nur wenig Kraft. Weshalb sie dennoch ihre mächtigen Langbögen zu spannen vermögen ist ein Rätsel. Vielleicht liegt es an ihrem besonderen Gefühl für das Holz, aus dem der Bogen gemacht ist. Wenn Krankheit oder gewaltsamer Tod nicht dem Leben eines Elben ein vorzeitiges Ende setzt, so lebt ein Elb so lang, dass manche Menschen sie unsterblich zu nennen pflegen. Das jedoch ist ein Irrtum. Ein Alter von 300 oder 400 Jahren allerdings ist keineswegs ungewöhnlich. Man erzählt sich von einzelnen ihres Volkes, die sogar 1000 Jahre alt wurden. Dabei zeigt selbst ein Vielhundertjähriger kaum Anzeichen des Alters, jedenfalls nicht für menschliche Augen. Er sieht jung und gesund aus wie ein Jungspund. Doch wurde mir gesagt, dass schon eine einfache Erkältung, wenn nicht sogleich mit Kräutern behandelt, ihn töten kann. Immer wieder fragen mich Menschen, warum die Elben, wenn sie doch so alt werden, denn so wenig zahlreich wären. Sie müssten doch das Antlitz der Erde überfluten, da sie schon so lange auf selbigem wandeln, und keine Angst vor Feinden haben müssen. Dennoch halten die Elben auch in dieser Beziehung die Natur im Gleichgewicht. Es ist wohl so, dass die Frauen nur wenige Tage im Jahr empfangen können. Es hat mit der Mondphase zu tun, doch mehr wollte man mir nicht sagen. Außerdem will ich sagen, dass der Zustand der Geilheit, welcher die Menschen so sehr peinigt, den Elben unbekannt ist. Wohl wissen sie die Schönheit der Glieder (und damit meine ich nicht das eine) beim anderen Geschlecht durchaus zu schätzen. Doch selten zieht es sie - wie die Nordländer zu sagen pflegen - in die Büsche. Stattdessen wird die Schönheit des Leibes und der Liebreiz des Wesens bewundert und besungen, und bald die Hälfte der elbischen Lieder haben derlei Dinge zum Thema. Übrigens können diese Lieder zuweilen erstaunlich töricht sein - wenn man die Weisheit diese ehrwürdigen Volkes bedenkt.
Die höheren Dinge Viel tiefer als vor den
Schöpfern verbeugen sich die Elben vor den Schöpfungen: der Natur. Ob
Pflanzen oder Tiere, Berge oder Seen, in allem sehen sie Harmonie und
Vollkommenheit. Und sie wachen eifersüchtig darüber, dass dieses perfekte
Gleichgewicht nicht zerstört wird. Dafür sind sie bereit, große Opfer
zu leisten. Die Elben glauben zwar an die Götter, doch sie verehren
sie nicht. Tatsächlich spielen sie keine Rolle im elbischen Leben, weder
in der Gemeinschaft noch im Denken und Trachten des Einzelnen. Sie kennen
keine Kulte, keine Gebete, keine religiöse Kaste.
Magie Elben sind magisch begabter
als Menschen, jedoch nicht - entgegen landläufiger Meinung - von Geburt
an zauberkundig. Auch sind nicht alle Elben gleichermaßen magisches
Talent. Ich habe einige ihres Volkes getroffen, die nicht einen einzigen
Zauber auszuführen vermochten. Von den Elben haben wir Menschen die
Einteilung der Magie in 4 Schulen übernommen: Hochmagie, Beschwörung,
Kräuterkunde und Elementarmagie. Dass die Magie eine wichtige Rolle in der elbischen Gesellschaft spielt, erkennt man daran, dass die höchste Strafe, die es für einen Gesetzesbruch gibt, der Fluch ist. Er kann nur vom König oder der Königin ausgesprochen werden, denn diese sind immer große Magiere.
Herrschaft Allen Elbenvölkern ist es selbstverständlich, was uns Menschen unmöglich scheint: Die Frauen haben die gleichen Rechte wie die Männer. Der Grund ist wohl, dass sich die Frauen bei ihnen von den Männern so wenig unterscheiden. Alle elbischen Volksstämme haben einen König oder eine Königin (oder ein Königspaar, das gemeinschaftlich regiert), dessen Herrschaft nicht angezweifelt wird. Er wird von einem Rat gewählt auf Lebenszeit. Nur auf Grund einer Krankheit oder eines schweren Gesetzesbruchs kann er seine Stellung verlieren. Neben dem König herrscht ein Rat, der wiederum vom Volk gewählt wird. Die Weisheit des Alters wird sehr hochgehalten. Das Wort eines Alten hat mehr Gewicht als das einen Jüngeren.
Handwerk Von allen Gewerken hat das Kunsthandwerk den höchsten Rang. Allerdings neigen die Elben dazu, jedwedes Handwerk als Kunsthandwerk zu begreifen, selbst die Fertigung von Tonschüsseln oder Pfeilen. Besonders großen Ruhm können aber die Baumeister erwerben, die beim Bau selber Hand anlegen. Sie sind, wie alle elbischen Handwerker, sehr detailverliebt, so dass es zuweilen Jahre braucht, um ein Ding fertigzustellen. Doch der ist nicht zu hoch: alle Dinge, die von elbischer Hand gefertigt werden, sind schön. Mehr zu diesem Thema und zum Handel findet sich bei der Beschreibung der einzelnen Völker.
Kampf und Krieg Die Elben sind wenig kriegerisch, obwohl sie sich ihrer Haut zu wehren wissen. Das gilt für den einzelnen Elben wie auch für das ganze Volk. Es war in nicht wenige Kriege verwickelt, doch nur selten der Aggressor (allerdings zuweilen der Provokateur wie im Falle der meisten zwergisch-elbischen Konflikte). Offenen Schlachten gehen
sie aus dem Weg, und aus Sorge um ihre Tiere meiden sie auch den Reiterkampf.
Ihre Geschicklichkeit und Schnelligkeit im Kampf wird noch verstärkt
durch ihre Abneigung gegenüber metallenen Rüstungen. Selbst eine Lederrüstung
gilt oft als zu schwer und hinderlich. Auch ist ihre Körperkraft nicht
sehr groß, weshalb sie leichte Waffen bevorzugen.
Das Elbenvolk aus den Wäldern des Nordens Es gibt zwei große elbische Siedlungsgebiete im Norden des Kontinents. Zum einen das liebliche Land der Seen, westlich des Berges-der-10-Tage. In Auenwäldern leben an den Ufern von Flüssen und Seen viele kleine elbische Stämme, die sich unter dem Banner eines Königs zusammen scharen. Sie leben in ständigem Zwist mit den Zwergen aus den Stahlbergen im Norden, doch zu Kriegen ist es schon seit Generationen (menschlichen) nicht mehr gekommen. Größer ist die Rivalität mit ihren menschlichen Nachbarn, den Eisenländern im Westen. Das zweite elbische Königreich befindet sich weit im hohen Norden, wo sich das Land weit in das kalte Meer schiebt. Die Elben dort wohnen verstreut in einem unvorstellbar großen undurchdringlichen Wald, den ihre menschlichen Nachbarn lieblos den Nordwald nennen. Ihre größten Feinde sind die Holzfäller aus den Städten des Dreibunds, eines Städtebunds im Norden. Die Elben des Nordens scheinen uns Kalifati wild, da sie in Wäldern leben und nicht in großen Städten. Ihre Siedlungen aus Baumhäusern sind klein, doch lieblich anzuschauen. Die Häuser sind prächtig geschnitzt und Hängebrücken verbinden sie untereinander, so dass ein Elb von einem Ende des Dorfes zum anderen gehen kann, ohne einen Fuss auf den Boden zu setzen. Die Bäume, in die sie am liebsten ihre Häuser bauen, heißen Flett-Kastanien und haben einen hellgrauen, glatten Stamm. Sie sind ehrfurchgebietend. Ihr Geäst beginnt erst in vielen Schritt Höhe, dort aber verzweigt es sich zu einer mächtigen Krone. Über alles lieben die Elben aber die Aglas-Kastanien, welche kleiner und schlanker sind als ihre mächtigen Brüder. Es heißt übrigens, dass aus den Früchten der Aglas-Kastanien ein wertvoller zaubermächtiger Saft gewonnen werden kann. Die Elben dort leben von den Früchten des Waldes und vom Wild. Sie sind ein Volk der Jäger, und Männer wie Frauen sind in Leder gekleidet. Nicht in das derbe Stiefelleder, das die Nordland-Barbaren ihren Kühen abziehen; sondern in weiches, gefärbtes, edelst verziertes Wildleder. Hosen, Hemd, Wams und Stiefel sind aus dieser Haut gemacht, in den Farben des Waldes, die so mannigfaltig sind wie das Laub des Waldes im Wechsel der Jahreszeiten. Sie tragen wenig Schmuck, und sie scheinen den Prunk nicht zu lieben. Auch treiben sie wenig Handel mit ihren Nachbarn, denn sie brauchen wenig von den Menschen. Es heißt, dass sie ein wenig Eisen kaufen; es ist ein Material, das sie nicht lieben, jedoch für ihre Schwerter und Dolche benötigen. Die Pfeilspitzen aber fertigen sie eher aus Knochen oder Stein. Ihre Kräuterkunde wird weithin gerühmt, und es heißt, dass sich in der Heilkunde kein anderes Volk mit ihnen messen kann. Auch sind sie hervorragende Dichter und Sänger, Kunstschnitzer und Schneider. Erstaunlich ist, dass kaum ein Elb sich auf einen Beruf spezialisiert hat. Er ist von vielem ein bisschen. Elben, und ganz besonders
die nördlichen Völker, gelten als klug und sehr vorsichtig.
Auch haben sie den Ruf, streng und traditionell zu sein. Sie meiden
die Gesellschaft der Menschen und gehen keine Bündnisse mit ihnen ein.
Die Stämme oben im Nordwald sind äußerst misstrauisch und lassen niemanden
in ihre Wälder.
Vielen unserer Seefahrer sind sie bekannt: Die grünen Hügel von Cyrillion, die sanft zum Meer hinabrollen. In diesem Land wachsen keine dichten Wälder, sondern saftiges Gras, besprenkelt mit kleinwüchsigen Bäumen und früchtetragenden Büschen. Die Elben wohnen zum einen Teil verstreut in diesem fruchtbaren Land, in schmucken Hütten oder niedrig hängenden Baumhäusern. Der andere Teil aber wohnt in den großen und prächtigen Städten an der Küste, die in Terrassen die sanfte Küste hinabfließen. Cyril, die Hauptstadt, und Thrunil sind uns zugewandt. Im Süden der Halbinsel, das Medil-Meer küssend, liegen Salant und Gibril. Cyril ist das Zentrum der Tuchscherer und Seidenspinner. Die schönsten Stoffe kommen aus der Hauptstadt. Gibril ist für seine Zitrusfrüchte beühmt. Aus dem Reich Cyrillion kommen Wein, Gewürze, Kräuter und Öle, aber auch Glas, Schmuck und Stoffe. Das fruchtbare Land versorgt die Elben mit allem, was sie zum Leben benötigen. Der Hang zum Luxus, den das Volk in den Städten ohne Zweifel hat, kann der Seehandel mit Nord und Süd befriedigen: Aus unserem Kalifat beziehen sie Tee, Mohn und Salz sowie edle Gewürzmischungen. Aus Punika kommen Alligatorenleder, Elfenbein und Gold. Über die Karawanenwege bringen die Nibieskerinnen ihre kostbaren Pferde nach Thrunil, die sie niemandem außer den Elben verkaufen. In letzter Zeit wird sogar Bier aus dem hohen Norden nach Cyril verschifft, wo es als Barbarengesöff bei manchem Leuten sehr beliebt ist; dabei habe ich mir sagen lassen, dass gerade die wässrige "Delta-Krone" bei den Bierkennern im Norden den denkbar schlechtesten Ruf hat. Die cyrillischen Elben kleiden sich in leichte und farbenfrohe Stoffe, häufig von erlesener Qualität. Sie lieben den exotischen Schmuck und dezente Duftwasser. Freunde von ausgelassenen Festen und Bällen sind sie, wo der Wein fließt und Sänger und Tänzer um die Gunst des Publikums buhlen. Obwohl die Elben von Cyrillion als gastfreundlich und wenig menschenscheu gelten, so begegnen sie unserer Rasse doch mit Misstrauen. Bedauerlicherweise richtet sich dieses besonders gegen unser Kalifat, dessen Reichtum und Macht Cyrillion erschreckt. Es ist wohl besonders unsere Seeherrschaft, welche König Seraphil zu einem so unversöhnlichen Kurs bewegt. So unterstützt der sonst so weise Herrscher die Freibeuterschiffe der Vi-Kin und der Nibieskerinnen, um unserem Handel zu schaden. Dabei steht Seraphil eine eigene Flotte gut ausgerüsteter Kriegsschiffe zur Sicherung der eigenen Küste zur Verfügung. Es ist wirklich ein Schande, dass dem Handel und der Freundschaft zweier Völker durch Überheblichkeit und Misstrauen so sehr Schaden zugefügt wird. |